Das Portal "ref.ch" beschreibt im Artikel Die reformierten Kirchen sind überaltert die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die Kirchen betreffend zunehmendem Durchschnittsalter der Kirchenmitglieder.
Die Mitgliedschaft in den reformierten Kirchen sinkt, besonders unter jungen Menschen. Statistiken zeigen, dass etwa 35 Prozent der Mitglieder über 65 Jahre alt sind, während nur etwa zehn Prozent im Alter von 15 bis 24 Jahren sind. Insgesamt sind mehr als die Hälfte der Mitglieder über 45 Jahre alt.
Experten beobachten ein "Sozialisationsproblem", da die Kirche Schwierigkeiten hat, junge Menschen zu erreichen. Die historische Präsenz der Kirche hat dazu geführt, dass sie in der Schweiz fest verankert ist, aber heute wird ihre Identität von einer allgemeinen "Schweizer Identität" überlagert. Dies macht andere Aktivitäten wie Yoga oder Meditation sowie säkulare Beratungsangebote attraktiver, was zu einer Abnahme der Kirchenbindung führt.
Im Gegensatz dazu haben Freikirchen eine klarere Identität und können besser auf die Bedürfnisse junger Menschen eingehen. Dieses Problem betrifft nicht nur die Reformierten, sondern ist Teil eines breiteren Trends zur Individualisierung und Abnahme traditioneller Gemeinschaftsformen. Besonders in städtischen Gebieten ist dieser Trend ausgeprägt, während traditionelle Gemeinschaften auf dem Land noch stärker verankert sind.
Der Rückgang der Kirchenbindung begann bereits in den 1970er Jahren und wurde durch den wirtschaftlichen Aufschwung beschleunigt, der den Menschen mehr Entscheidungsfreiheit über ihr Leben gab, auch in Bezug auf ihren Glauben. Junge Menschen folgen nicht mehr automatisch der Religionszugehörigkeit ihrer Eltern, sondern suchen nach Alternativen oder haben kein Interesse mehr an der Kirche.
Im folgenden Diagramm ist die Alterstruktur in den Kantonen Obwalden, Nidwalden, Schwyz, Zug, Luzern und Uri nach dem Anteil der unter 45-jährigen Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden geordnet.

Im Kanton Luzern ist der Anteil der unter 45-jährigen Kirchenmitglieder aktuell noch bei 40%. Und gemäss Angaben von "ref.ch" ist dies der Spitzenwert in der Schweiz. Uri, Zug, Schwyz und Obwalden liegen im Mittelfeld und sogar Nidwalden mit nur 34% steht besser da als andere Kantone wie Aargau, Schaffhauen, Bern und Baselland.
Diese Situation hat sich in den letzten Jahren herausgebildet, weil ein grosser Anteil der Kirchenaustritte im Alter von 20 bis 40 Jahren stattfindet. Dazu kommt dass sich über das Internet Informationen zum Kirchenaustritt leicht verbreiten und es im Internet bereits ab CHF 29.- Angebote für fertig vorbereitete Kirchenaustritts-Unterlagen gibt, was für wenig Geld einen schnellen und bequemen Kirchenaustritt ermöglicht.
Einen detaillierteren Einblick in die Alterstruktur liefert die folgende Grafik aus dem Kanton Zürich. Allerdings sind hier Zahlen aus dem Jahr 2010, so dass damit zu rechnen ist, dass in der Zwischenzeit über Kirchenaustritte sich die Mitgliederzahlen bei den Jahrgängen ab 1980 erheblich rückläufig gewesen sein dürften.
